Das Mikrobiom - Gesundheit beginnt im Darm (Teil 1)

 

 

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Mikrobiom“ und was hat es mit unserer Gesundheit zu tun? Was hat es mit der Aussage „Unsere Gesundheit beginnt im Darm“ auf sich und welche Rolle spielt dabei das Mikrobiom?

Zunächst eine kurze begriffliche Erklärung: das Wort „Mikrobiota“ umfasst alle Mikroorganismen, d.h. Bakterien, Viren, Pize etc, in einem bestimmten Bereich, zum Beispiel unserem Körper. Der Begriff „Mikrobiom“ umschreibt die Mikrobiota und darüber hinaus auch alle ihre Gene oder die Stoffwechselprodukte, die von den Mikrobiota produziert werden. Häufig werden beide Begriffe im gleichen Sinne verwendet.

 

Bevor wir uns dem Effekt des Mikrobioms auf unsere Gesundheit widmen, zunächst etwas Grundwissen zum Mikrobiom:

Tatsächlich befinden sich in unserem Körper Billionen von Mikroorganismen, welche gemeinsam ca 2-3kg auf die Waage bringen. Der Hauptteil unseres Mikrobioms tummelt sich in unserem Darm, aber auch auf der Haut, Mund sowie zu einem geringen Anteil in unseren Lungen und der Vagina.

 

Die Kolonisierung unseres Körpers durch das Mikrobiom startet direkt während und nach der Geburt. Unsere ersten Bakterien erhalten wir über den Geburtskanal und die Muttermilch von unserer Mutter. Einige Studien weisen sogar darauf hin, dass die Kolonialisierung schon zuvor im Mutterleib beginnt, allerdings sind die Ergebnisse hierzu noch etwas umstritten.

 

In unseren ersten Jahren nach der Geburt wird unser Körper dann von vielen Bakterien, Viren und Pilzen bevölkert, so dass jeder Mensch eine individuelle Zusammensetzung des Mikrobioms hat. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass sich in etwa 1.000-2.000 verschiedene Bakterien-Arten in unserem Darm befinden, wovon ca. 300 bei jedem Menschen zu finden sind, der Rest siedelt sich individuell an.  

Einfluss auf die Zusammensetzung unseres „mikrobiellen Fingerabdrucks“ haben viele verschiedene Faktoren, wie die Ernährung, die Einnahmen von Antibiotika oder anderen Medikamenten, Interkationen mit anderen Menschen, oder Haustieren, unsere Gene sowie unsere Umwelt. So haben Menschen, die in ländlichen Gegenden aufwachsen, zumeist eine andere Zusammensetzung des Mikrobiom als Menschen, die in Städten aufwachsen. Weiterhin gibt es Hinweise darauf, dass ein geringerer Kontakt mit bestimmten Mikroorganismen während der Kindheit mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Autoimmun-Erkrankungen oder Allergien (inkl. Asthma) einhergeht. Dieser Zusammenhang ist als Hygienehypothese bekannt und ist ein Beispiel dafür, wie das Mikrobiom unsere Gesundheit beeinflussen kann.

 

Welche Beispiele gibt es noch?

Hierfür schauen wir uns zunächst an, welche Aufgaben das Mikrobiom in unserem Körper übernimmt. Bakterien in unserem Darm helfen dabei unsere Nahrung zu verdauen, dabei setzen sie Stoffwechselprodukte, sogenannte Metabolite, frei, welche in unseren Blutkreislauf gelangen. Über den Blutkreislauf erreichen die Metabolite alle Organe und Gewebe in unserem Körper und können beispielsweise Stoffwechselprozesse oder andere molekularen Prozesse beeinflussen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass sich in unserem Mikrobiom „gute“ und „schlechte“ Mikrobiota befinden, welche entweder gesundheits-förderliche oder -beeinträchtigende Metabolite produzieren. Eine gute Balance von beiden Gruppen - und somit ausreichend der „guten“ Mikrobiota - aufzuweisen, kann durch ein sehr diverses Mikrobiom erreicht werden. Diese Diversität kann man zum Beispiel durch die Ernährung fördern, hierzu gibt es im zweiten Teil dann noch mehr Informationen. Weiterhin ist bekannt, dass die Diversität im Alter abnimmt, wodurch das Mikrobiom auch eine Rolle bei der Entstehung von altersbedingten Erkrankungen spielt.

Eine geringere Diversität des Mikrobioms wird zum Beispiel mit chronischen Entzündungen des Darms, Typ2 Diabetes, Adipositas sowie mentaler Gesundheit in Verbindung gebracht. Die Diversität kann nicht nur am Anfang unseres Lebens, sondern auch im weiteren Verlauf durch viele Faktoren beeinflusst werden. Hierzu gehört beispielweise unsere Ernährung, Konsum von Tabakrauch, Einnahme von Medikamenten (insbesondere Antibiotika), körperliche Aktivität oder Stress.

 

In diesem ersten Teil zum Thema Mikrobiom habe ich erklärt um was es sich dabei handelt, etwas Grundwissen vermittelt und Beispiele genannt, wie das Mikrobiom Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen kann.

Im nächsten Teil werde ich die Zusammenhänge zwischen unserer Gesundheit und dem Mikrobiom noch etwas weiter ausführen und konkrete Beispiele aus der Forschung vorstellen. Außerdem werde ich noch etwas mehr darauf eingehen, wie wir unser Mikrobiom zum Beispiel durch unsere Ernährung unterstützen und diverser gestalten können - diversity matters!


Wie immer freue ich mich über Kommentare, Ideen und Anregungen zu diesem oder früheren Beiträgen!


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Quellen:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8193591/

https://www.nature.com/immersive/d42859-019-00041-z/index.html

https://www.bzfe.de/ernaehrung/ernaehrungswissen/gesundheit/mikrobiom/

 

 
maja funkKommentieren